Bioidentische Hormone in den Wechseljahren und Brustkrebs: Was sagt die Wissenschaft heute wirklich?


Viele Frauen suchen nach Antworten auf Fragen wie:

„Erhöhen Hormone in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko?“ oder „Sind bioidentische Hormone sicher?“

 

Kurzgesagt:

Es kommt auf die Art der Hormone an.

Moderne Hormontherapien unterscheiden sich grundlegend von den Präparaten, die früher für große Verunsicherung gesorgt haben.

Kernaussage

Für die Kombination aus transdermalem Östrogen (Pflaster oder Gel) und mikronisiertem Progesteron (natürliches, bioidentisches Progesteron) gibt es keinen überzeugenden Hinweis auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

 

Das Risiko gilt nach heutigem Kenntnisstand als neutral oder deutlich geringer, jedoch nicht als absolut Null-Risiko bewiesen.

Im Gegensatz dazu zeigen Studien für synthetische Gestagene ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Progesteron oder Gestagen – warum dieser Unterschied so wichtig ist

 

 1. Synthetische Gestagene (z. B. Medroxyprogesteronacetat, Norethisteron)

  • in großen Studien klar mit erhöhtem Brustkrebsrisiko verbunden
  • verantwortlich für die negativen Ergebnisse der WHI-Studie
  • wirken im Brustgewebe anders als körpereigene Hormone.

    Synthetische Gestagene gelten heute als Haupttreiber des erhöhten Risikos.

 

2. Mikronisiertes Progesteron (bioidentisch)

  • chemisch identisch mit dem körpereigenen Hormon
  • kein vergleichbarer wachstumsfördernder Effekt auf Brustgewebe
  • anderes molekulares Wirkprofil.

    Nach aktueller Studienlage zeigt sich kein statistisch nachweisbarer Anstieg des Brustkrebsrisikos.

Die wichtigste Studie: Was zeigt die französische E3N-Kohorte?

Die E3N-Studie aus Frankreich gilt als Schlüsselstudie zur Frage „Progesteron und Brustkrebsrisiko“.

 

Studienmerkmale:

  • über 80.000 Frauen haben teilgenommen
  • reale Versorgungssituation
  • hoher Anteil an transdermalem Östrogen und mikronisiertem Progesteron

 

 

Zentrale Ergebnisse

 

Östrogen + mikronisiertes Progesteron

kein signifikant erhöhtes Brustkrebsrisiko, auch über mehrere Jahre

Östrogen + synthetische Gestagene

deutlich erhöhtes Risiko

 

 Diese Ergebnisse wurden mehrfach bestätigt und stützen die heutige Praxis moderner Hormontherapie.

Warum moderne Hormonersatztherapie anders bewertet wird

  • transdermale Anwendung statt Tabletten
  • Einsatz von bioidentischem Progesteron

 

🔎 Deshalb sind pauschale Aussagen wie „Hormone verursachen Brustkrebs“ wissenschaftlich nicht haltbar.

Aktueller fachlicher Konsens (vereinfacht)

Kombination

Brustkrebsrisiko

Östrogen allein

neutral bis

Östrogen + Gestagen

↑↑

Östrogen + mikronisiertes Progesteron

nicht erhöht / neutral

transdermal statt oral

eher günstiger

 

Wichtige  Einordnung

 

  • „Nicht erhöht“ bedeutet kein nachweisbarer Anstieg, nicht absolute Sicherheit
  • sehr lange Anwendungszeiträume sind weniger gut untersucht
  • individuelle Faktoren bleiben wichtig:
  1. familiäre Vorbelastung
  2. Körpergewicht
  3. Alkoholkonsum
  4. Brustdichte

 

Fazit

Das Brustkrebsrisiko ist kein generelles Problem moderner Hormontherapie, sondern vor allem ein Thema synthetischer Gestagene,  sowie individueller Faktoren.

 

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